Vielfalt, Spielfreude gepaart mit großem Können: In der Summe ergab das am vergangenen Wochenende ein Konzert der Superlative, das die heimliche Jazz-Metropole Offingen elektrisierte. Rund 1.060 Besucherinnen und Besucher feierten an zwei Tagen in der Mindelhalle die Fat Cat Combo sowie die mittlerweile legendären Jazz Spätzla. Beide Big Bands präsentierten sich in bester Spiellaune, improvisierten, swingten und rockten die Bühne über mehr als drei Stunden hinweg.
Mit dem Klassiker „Watermelon Man“ zogen die Fat Cats – deren Name auf einen berühmten New Yorker Jazzclub zurückgeht – das Publikum sofort in ihren Bann. Tabea Henle überzeugte mit expressivem Vibrato, verlieh Elvis Presleys „Hound Dog“ einen Hauch von Latin Steel und wurde für ihre gefühlvolle Interpretation von „Unchain My Melody“ gefeiert. Paula Reiter punktete mit großer emotionaler Ausdruckskraft bei „Creep“ und führte mit „Celebration“ sowie „Baby Don’t Hurt Me“ das Publikum durch einen scheinbar nie enden wollenden Abend. Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal war der Auftritt der jungen Band unter der Leitung von Klaus Schlander. Frech wurde improvisiert, mutig nahmen sich die Musiker große Songs von Brian Setzer und Elton John (gesungen von Jonas Pfister) vor. Das Publikum dankte es mit lang anhaltendem, frenetischem Applaus.
Die Jazz Spätzla brillierten mit eigenen Arrangements und überraschten mit „Stolling Rolls“ sogar mit einem Eigenkomposition. Kraftvoll eröffneten sie ihren Part mit „The Greatest Showman“, eindrucksvoll ergänzt durch Chorpassagen und die stimmliche Freiheit von Max Manßhardt. Ruhigere Töne schlugen Juliet Andres mit Edith Piafs „La Vie en Rose“ an, sensibel begleitet von Max Berger an der Trompete, der mit großer persönlicher Ausdruckskraft überzeugte. Als beliebter Moderator verstand es Robert Sauter einmal mehr, die vielen Stilrichtungen des Programms zu verbinden und dem Publikum musikalische Begrifflichkeiten sowie geschichtliche Zusammenhänge anschaulich und einleuchtend zu vermitteln.
Für nostalgisches Flair sorgten die bereits kleinen Publikumslieblinge gewordenen Songs der Andrew Sisters, präsentiert von Julia Berger, Juliet Andres und Kerstin Endres, die augenblicklich eine 60er-Jahre-Stimmung in die Halle zauberten. Ebenso begeisterten Gabriel Bronner und Stefan Hörmann mit ausdrucksstarken Saxofon-Improvisationen. Dieses hohe musikalische Niveau zog sich durch die ge-samte Band und wurde bei Stücken wie „Kahn Kahn“ und „Pacific Rainbow“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Mit „From Now On“ unterstrich Alexander Kussmaul im zweiten Teil des Abends seine stimmliche Flexibilität und jagte dem Publikum einen wohligen Schauer über den Rücken. Anschließend ging es mit Scat-Techniken weiter in Richtung Funk und Soul, bis der Abend musikalisch förmlich eskalierte: Eine Rocknummer folgte der nächsten, die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt und das Publikum kam kaum noch zu Atem.
Faszinierend war, wie schnell es beiden Bands gelang, eine emotionale musikalische Verbindung zum Publikum herzustellen und immer wieder die gesamte Bandbreite einer Big Band zu nutzen, um Freude, Energie und Begeisterung zu vermitteln.


